Energie. Wasser. Leben.

Der EVN Ganzheitsbericht 2019/20

    NACHHALTIGER

DIGITALER

    EFFIZIENTER

Stefan Szyszkowitz

und Franz Mittermayer

EVN Vorstand

Wir wollen in allen unseren Märkten     konkrete Beiträge im Sinn unserer Stakeholder leisten. Basis dafür sind unsere Unternehmenswerte und unsere ganz-        heitlichen Nachhaltig- keitsprinzipien.
Stefan Szyszkowitz,
Sprecher des Vorstands

Ein außergewöhnliches Jahr mit Covid-19 als prägendem Thema geht zu Ende. Wie ist es der EVN damit bisher ergangen?

Stefan Szyszkowitz: Als Garant für kritische Infrastruktur verfügt die EVN über taugliche Notfallpläne für verschiedenste Krisensituationen. Daher existiert bei uns auch seit 2009 eine Konzernanweisung zur Pandemievorsorge. Natürlich führen wir dazu auch regelmäßig Übungen durch, damit wir im Ernstfall rasch und professionell agieren können. Seit Beginn der Coronakrise haben sich unsere Notfallpläne als höchst wirksam erwiesen, die Versorgungssicherheit war auch in dieser bislang einzigartigen Situation stets gewährleistet!

Weitere zentrale Zielsetzungen waren neben der Aufrechterhaltung der Versorgung natürlich der unmittelbare Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unserer Kundinnen und Kunden. Namens des Managements bedanken wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die höchst engagiert und flexibel auf die vielfältigen Herausforderungen reagiert haben. So konnten wir nicht nur die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleisten und die Anliegen unserer Kunden bestmöglich erledigen, sondern uns auch schnell wieder unseren vielfältigen anderen Aufgaben und unseren zahlreichen laufenden Projekten zuwenden.

Zusätzlich zu all diesen Herausforderungen haben Sie in den letzten Wochen die Aktualisierung Ihrer Strategie abgeschlossen. Warum gerade jetzt?

Stefan Szyszkowitz: Die vergangenen Jahre waren von einem immer intensiveren gesellschaftlichen und politischen Diskurs über den Klimawandel geprägt. Das Pariser Klimaabkommen, das Clean Energy Package der Europäischen Union oder die im Regierungsprogramm der Bundesregierung verankerten österreichischen Energieund Klimaziele sind nur einige Beispiele für konkrete Akzente, die ein übergeordnetes Ziel verfolgen: die globale Erwärmung einzubremsen und zu reduzieren. Zur Erreichung dieser Ziele wollen auch wir konkret beitragen. Nachdem wir über die vergangenen zehn Jahre zufrieden Bilanz ziehen dürfen, war es nun an der Zeit, mit der Aktualisierung unserer Strategie den Blick auf die Jahre bis 2030 zu lenken. Wir sind stolz, dass wir den Strategieprozess trotz der Einschränkungen durch Covid-19 in den vergangenen Wochen erfolgreich abschließen konnten.

Bereitschaft zur Veränderung        und zur Weiterent-     wicklung war  schon immer       eine Stärke     der EVN.
Franz Mittermayer,
Mitglied des Vorstands

Welche Perspektiven eröffnet die Strategie 2030 der EVN?

Franz Mittermayer: Investitionen in Energieversorgung und Umweltdienstleistungen haben von Natur aus eine sehr langfristige Perspektive. Um diese Geschäftsfelder nachhaltig und wertsteigernd zu entwickeln, müssen wir also entsprechend langfristig planen – und möglichst vorausschauend. Denn nur wenn wir die längerfristigen Trends analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen, können wir die Potenziale richtig einschätzen, für uns attraktive Optionen erarbeiten und die Weichen für die Zukunft korrekt ausrichten.

Klar ist, dass wir bei einem Planungshorizont von zehn Jahren auch mit Annahmen und Szenarien arbeiten müssen. Entscheidend ist aber letztlich, dass wir uns realistische Zwischenziele stecken und die dafür gesetzten Parameter laufend überprüfen. Dadurch können wir bei unseren Kernstrategien nachsteuern und diese, falls nötig, an geänderte Rahmenbedingungen anpassen. Bereitschaft zur Veränderung und zur Weiterentwicklung war schließlich schon immer eine Stärke der EVN!

Wagen wir einen Blick in die Zukunft – in welche Richtung wird sich die EVN verändern?

Stefan Szyszkowitz: Sie wird nachhaltiger, digitaler und effizienter! Unsere grundlegenden Stärken und der Charakter der Gruppe sollen nicht nur fortbestehen, sondern zeitgemäß weiterentwickelt werden. Wir werden weiterhin – mit höchster Effizienz und damit ertragsstark – unsere stabilen regulierten Geschäftsfelder betreiben. Aber wir setzen auch auf nachhaltiges Wachstum und Performance- Steigerungen. Dafür werden wir viele Maßnahmen setzen, von denen ich drei wesentliche Veränderungen hervorheben möchte: Unsere erneuerbaren Erzeugungskapazitäten werden sich im Bereich Windkraft und Photovoltaik deutlich erhöhen. Dadurch werden wir bis 2030 in der Stromerzeugung eine Halbierung unserer spezifischen CO2-Emissionen gegenüber dem Jahr 2005 vorweisen können.

Ein ausdrückliches Ziel unserer Strategie ist es zweitens, die Chancen der Digitalisierung noch konsequenter zu nutzen. In diesem Sinn wollen wir in den nächsten Jahren alle kundennahen Abläufe durch die Nutzung smarter Applikationen und Software bequemer, rascher und effizienter gestalten, Stichwort „digitaler Qualitätsvertrieb“. Dadurch wollen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessen und für unsere Kunden ein attraktiver Partner bleiben.
Und die dritte große Veränderung, die wir mit Nachdruck verfolgen wollen, betrifft die Positionierung als innovativer Anbieter von Lösungen für Kreislaufwirtschaft in unseren Geschäftsfeldern. Damit tragen wir proaktiv zu einem Zukunftsprojekt der Europäischen Union bei. Gerade in den neuen EULändern besteht ein historischer Aufholbedarf bei Versorgungssicherheit und kritischer Infrastruktur. Daher werden wir in jenen Ländern, in denen wir tätig sind, mit unserer Erfahrung und unserem Wissen zu diesem Aufholprozess beitragen und dadurch auch daran partizipieren.

Gibt es hier ein paar Beispiele, wie diese Zukunftsvision
umgesetzt werden soll?

Franz Mittermayer: Lassen Sie mich konkrete Ansätze nennen: Ein wichtiger Punkt ist z. B., dass wir beim Ausbau unserer erneuerbaren Erzeugungskapazitäten zusätzlich zu unserem bisherigen Schwerpunkt, der Windkraft in Niederösterreich, in den nächsten Jahren Windkraft- und vermehrt auch Photovoltaik-Anlagen auch außerhalb von Niederösterreich errichten wollen.

Angesichts des starken Ausbaus der erneuerbaren Erzeugung, der zur Erreichung der österreichischen Klimaziele erforderlich ist, sind Investitionen in unsere Netze ein weiterer zentraler Ankerpunkt. Die Schaffung zusätzlicher Windkraft- und Photovoltaik- Kapazitäten setzt gleichzeitig eine intensive Erweiterung und Adaptierung der Netzinfrastruktur voraus, um die Einspeisung und den Transport der immer weiter zunehmenden CO2-frei hergestellten Strommengen zu gewährleisten. Dieser wichtigen Aufgabe, die mit unserem Versprechen der Versorgungssicherheit einhergeht, werden wir uns natürlich weiterhin mit Nachdruck widmen.

Und wie sieht es im Umweltbereich aus?

Franz Mittermayer: Eine besondere Chance sehe ich hier zum einen bei der Trinkwasserversorgung. „Energie. Wasser. Leben.“ macht deutlich, dass wir in der Daseinsfürsorge neben Energie auch für das Thema Wasser verstärkt Verantwortung übernehmen. Dieser Gedanke ist für unsere Strategie in zweierlei Hinsicht von Bedeutung: In Niederösterreich sehen wir es im Sinn der Versorgungssicherheit als unsere Verpflichtung, die regionale Verteilung von Wasser dauerhaft zu gewährleisten. Wasser ist in unserem Bundesland auch langfristig in ausreichender Menge verfügbar, allerdings ungleichmäßig verteilt. Dem wirken wir mit konkreten Ausbauplänen, aktuell etwa mit der Errichtung einer 60 km langen Transportleitung von Krems nach Zwettl, entgegen. Durch dieses Projekt entsteht eine überregionale Ringleitung im Waldviertel.

Zum anderen hat sich unter dem bereits erwähnten Schlagwort „Kreislaufwirtschaft“ in den letzten beiden Jahren ein sehr attraktives neues Geschäftsfeld eröffnet. Dazu haben wir unsere Lösungskompetenz im Abwasserbereich um einen – logischen – Schritt weitergedacht: Mit unserer deutschen Tochtergesellschaft WTE Wassertechnik können wir auf das Knowhow aus mehr als 100 Projekten im Abwasserbereich bauen. Zudem verfügen wir im Konzern über ausgezeichnete Erfahrung in der thermischen Abfallbehandlung, nicht zuletzt aus unserer eigenen Anlage in Niederösterreich.
Damit war es naheliegend, auch als Generalunternehmer in der Planung und Errichtung thermischer Klärschlammverwertungsanlagen aktiv zu werden. Besonders erfreulich ist, dass wir hier allein im vergangenen Geschäftsjahr drei bedeutende Projekte in Deutschland akquirieren konnten, nämlich in Berlin, Hannover und Straubing. In den nächsten Jahren sehen wir gerade in Deutschland weiteres Wachstumspotenzial für diese Form der nachhaltigen Abwasserbewirtschaftung. Aber auch an unserem eigenen Energiestandort Dürnrohr in Niederösterreich beabsichtigen wir, eine thermische Klärschlammverwertungsanlage zu errichten und zu betreiben.

Im internationalen Projektgeschäft gab es im Geschäftsjahr 2019/20 einen weiteren Erfolg, nämlich den Auftrag für ein Großprojekt in Kuwait.

Franz Mittermayer: Tatsächlich ein wichtiger Erfolg, denn auf dieses Projekt haben wir über mehrere Jahre intensiv hingearbeitet. Konkret umfasst das Projekt Umm Al Hayman die Planung und den Bau einer Kläranlage sowie – gemeinsam mit Partnern – eines 450 km langen Kanalnetzes mit Pumpstationen. Infrastrukturprojekte dieser Dimension haben für alle Beteiligten eine lange Vorlaufzeit. Heuer im Sommer war es dann so weit: Nachdem unser Konsortium im Jänner 2020 den Zuschlag erhalten hatte, waren Ende Juli alle Voraussetzungen für den Projektstart erfüllt. Interessant ist – abgesehen von der Signalwirkung als Referenzprojekt – die langfristige Perspektive, da wir für 25 Jahre auch die Betriebsführung der Anlage übernehmen werden. Und auch dieses Projekt erfüllt einen wichtigen Aspekt der Kreislaufwirtschaft, denn die geklärten Abwässer werden künftig der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen in Kuwait dienen.

Und welche Erwartungen dürfen die Aktionäre in Zukunft an die EVN haben?

Stefan Szyszkowitz: Für den Kapitalmarkt hat unsere Strategie 2030 eine klare Botschaft: Der Charakter der EVN wird in seinem Kern unverändert bleiben. Unsere Aktionäre können weiterhin darauf vertrauen, dass wir den weitaus größten Anteil unserer Ergebnisse durch regulierte und stabile Aktivitäten erwirtschaften, denn diese nachhaltigen Geldflüsse bilden die Grundlage für unsere ehrgeizigen Investitionsvorhaben, aber auch für unsere Dividenden.

Unsere Investitionen werden wir in den nächsten Jahren auf jährlich bis zu 450 Mio. Euro steigern, davon entfallen etwa drei Viertel auf Niederösterreich. Schwerpunkte werden hier auch künftig die erneuerbare Erzeugung, die Netze und die Trinkwasserversorgung sein. Mit diesem ambitionierten Programm werden wir den hohen Anforderungen an eine verlässliche Infrastruktur gerecht.

Unverändert bleibt mit der Strategie 2030 unsere solide Finanzpolitik, dadurch soll die gute externe Bonitätsbewertung der EVN auch in Zukunft erhalten bleiben. Ratings im soliden A-Bereich sind hier weiterhin unser Ziel. Die dafür erforderliche Relation zwischen Ertragskraft und einer stabilen Nettoverschuldung wird daher ein wesentliches Kriterium bei der Umsetzung unserer strategischen Ziele sein.

Für das Geschäftsjahr 2019/20 werden wir der Hauptversammlung eine Basisdividende von 0,49 Euro pro Aktie vorschlagen. Damit erhöhen wir die Basisdividende gegenüber dem Vorjahr um 0,02 Euro pro Aktie und setzen ein klares Zeichen, dass die EVN Aktie trotz der durch die Covid-19-Pandemie verursachten Herausforderungen ein verlässliches und stabiles Investment bleibt. Im Interesse der Planbarkeit für unsere Aktionäre streben wir auch für die Zukunft an, diese jährliche Basisdividende zumindest konstant zu halten.

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