Energie. Wasser. Leben.

Der EVN Ganzheitsbericht 2018 / 19

Vorausschauend.

Zielorientiert.

Nachhaltig.

Interview mit den Vorständen

der EVN,Stefan Szyszkowitz

und Franz Mittermayer

Unsere Aktionäre können auf

Stabilität und Kontinuität bauen.

Franz Mittermayer und Stefan Szyszkowitz über veränderte Kundenerwartungen, Klimaschutz und erneuerbare Energien, umfangreiche Investitionen sowie Erfolge im internationalen Projektgeschäft.

„2020 werden wir unseren CO2-Footprint in Niederösterreich gegenüber 2005 um etwa zwei Drittel reduziert haben – durch den massiven Ausbau unserer erneuerbaren Erzeugung und die vorzeitige Schließung des Steinkohlekraftwerks Dürnrohr."
Stefan Szyszkowitz,
Sprecher des Vorstands

Eingangs gleich vorweg:

Welche Kernbotschaft steckt hinter dem Slogan dieses Berichts, „Energie.Wasser. Leben.“?

Stefan Szyszkowitz: Unsere Kunden haben klare Erwartungen: eine qualitativ hochwertige Versorgung in Form einer breiten Palette an Produkten und Dienstleistungen, die ihr tagtägliches Leben und Arbeiten unterstützen und erleichtern – um nicht zu sagen, oft überhaupt erst ermöglichen. Unverzichtbare Basis dafür ist eine technisch hoch entwickelte Infrastruktur, von der Erzeugung bis hin zur Verteilung über unsere Netze.

Franz Mittermayer: Das gilt nicht nur für Energie, sondern auch für Trinkwasser. Um unseren Kunden auch hier dauerhaft eine verlässliche Versorgung in höchster Qualität garantieren zu können, investieren wir seit Jahren massiv in die Wasserversorgung. Dieses Investitionsprogramm wird sich über mindestens eine weitere Dekade erstrecken und insbesondere dem Ausbau der Leitungsinfrastruktur gewidmet sein. Denn ein überregionales Netz – aktuell sprechen wir bereits von einer Gesamtlänge von rund 2.800 km – ermöglicht uns einen quantitativen sowie qualitativen Ausgleich und sichert damit die Versorgung unserer Kunden.

Was bedeuten Wandel und Herausforderungen für die Mitarbeiter der EVN?

Stefan Szyszkowitz: Wir sind offen für neue Formen der Kommunikation und der Zusammenarbeit – das verstehen wir unter der „neuen EVN Arbeitswelt“. Zudem nutzen wir die Chancen der Digitalisierung, um interne Abläufe effizienter zu gestalten, aber auch um Antworten auf veränderte Kundenanforderungen zu entwickeln. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, brauchen wir motivierte Kolleginnen und Kollegen, die Veränderungen aufgeschlossen und positiv gegenüberstehen. Unser Denk- und Handlungsradius darf nicht an den Abteilungs- und Unternehmensgrenzen enden. Ganz besonders wollen wir natürlich die Bedürfnisse unserer Kunden im Auge haben. Erstaunlich ist übrigens, wie sich die Arbeitsmärkte in unseren Kernmärkten verändern. Eine Lösung der damit verbundenen Herausforderungen sehen wir in dualen Ausbildungsangeboten, die wir etwa in Bulgarien und Nordmazedonien individuell mit Partnerschulen entwickeln. Innovative Wege der Personalentwicklung beschreiten wir künftig auch in Niederösterreich mit einem neu konzipierten Lehrgang, der unseren Mitarbeitern die Ausbildung zum „Digitalisierungs-­Meister“ ermöglicht.

„Versorgungssicherheit bedeutet, dass die Stromkunden lückenlos immer dann Strom in der gewünschten Menge und in der in Europa geltenden Frequenzqualität von 50 Hertz erhalten, wenn sie ihn brauchen."
Franz Mittermayer,
Mitglied des Vorstands

Im August 2019 hat die EVN im Kraftwerk Dürnrohr zum letzten Mal Strom mit Steinkohle produziert. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Franz Mittermayer: Durch die Trennung der deutschösterreichischen Strompreiszone konnten wir unsere thermischen Kraftwerke, darunter Dürnrohr, seit 1. Oktober 2018 nicht mehr wie in den Jahren zuvor als Kapazitätsreserve für den süddeutschen Raum unter Vertrag stellen. Dadurch ist ein wesentlicher Grund weggefallen, die Anlagen betriebsbereit zu halten, zumal sich die Preise von CO2-Emissionszertifikaten bis Ende Mai 2019 in nur eineinhalb Jahren etwa verdreifacht haben. Deshalb haben wir beschlossen, keine weitere Kohle mehr zu bestellen; Ende Mai 2019 ist das Schiff mit der letzten Lieferung für Dürnrohr eingelaufen. Abseits von betriebswirtschaftlichen Erwägungen leisten wir mit dieser Entscheidung aber auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz: Durch die Beendigung des Betriebs vor Ende der technischen Nutzungsdauer des Kraftwerks im Jahr 2025 vermeiden wir insgesamt rund 3,6 Mio. t CO2.

Stefan Szyszkowitz: Für die Versorgungssicherheit ist die Stilllegung allerdings eine große Herausforderung, und es werden andere Kraftwerke in Österreich einspringen müssen. Solange Strom aus Wasser, Wind und Sonne nicht in jenem Ausmaß speicherbar ist, wie es zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit erforderlich wäre, müssen alternative Formen der Reservekapazität zur Verfügung stehen. Ich denke hier vor allem an schnell startende Gasturbinen, vergleichbar mit jenen von Flugzeugen, die zu flexibel einsetzbaren Energiestationen gebündelt werden können. Um dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, braucht es eine abgestimmte Vorgehensweise nicht nur innerhalb Österreichs, sondern auf europäischer Ebene.

Und wie sieht nun die Zukunft von Dürnrohr aus?

Franz Mittermayer: Dürnrohr bekommt als wichtiger Energiestandort neue Aufgaben. Unsere thermische Abfallverwertungsanlage wird – neben Strom und Fernwärme – weiterhin auch Prozessdampf für Industriekunden erzeugen. Um unsere Verpflichtungen ihnen gegenüber abzusichern, z. B. für den Fall eines wartungsbedingten Stillstands, errichten wir gerade einen zusätzlichen Gaskessel zur Dampfproduktion. Zudem planen wir die Errichtung einer Klärschlammverbrennungsanlage und einer großflächigen Photovoltaik-­Anlage, deren optimale Kapazität wir gerade analysieren. Sie könnte bis zu 20 MW betragen, das wäre dann Niederösterreichs größte Photovoltaik-­Anlage – eine schöne Alternative am Standort eines ehemaligen Kohlekraftwerks.

In den letzten Monaten hat in der öffentlichen Diskussion die Sensibilität für Fragen des Klimaschutzes deutlich zugenommen. Welche Antworten hat die EVN für klimabewusste Kunden?

Franz Mittermayer: Die jüngste Antwort ist „joulie“, ein hoch innovatives webbasiertes Paket, mit dem wir den Einsatz von Photovoltaik-­Anlagen in Privathaushalten gezielt unterstützen. joulie – eine Eigenentwicklungung der EVN – optimiert nicht nur die Erzeugung und den Verbrauch beim Betreiber der Anlage selbst, sondern auch die Vermarktung überschüssiger Strommengen. Damit wandeln wir uns zukunftsorientiert vom reinen Versorger zum Energiemanager unserer klimabewussten Haushaltskunden.

Stefan Szyszkowitz: Das ist aber nur eines von vielen Angeboten. Seit vielen Jahren haben unsere Kunden z. B. die Möglichkeit, über die Produktfamilie „Natur“ Strom aus 100 % erneuerbarer Erzeugung zu beziehen. Hier beobachten wir den erfreulichen Trend, dass gerade Großkunden – sowohl Unternehmen als auch Gemeinden – vermehrt ganz bewusst Ökostrom nachfragen. Aber auch sonst haben wir in den letzten Jahren den Anteil von Strom mit CO2-Footprint in unserem Versorgungsmix deutlich reduziert. Und diesen Weg werden wir in den nächsten Jahren konsequent fortsetzen.

Stichwort Investitionen, wo lagen die Schwerpunkte im Geschäftsjahr 2018/19, und wie schauen Ihre künftigen Pläne aus?

Stefan Szyszkowitz: Unser Investitionsschwerpunkt liegt im Bereich Netzinfrastruktur, denn gerade jetzt steht ein höherer Investitionszyklus für das Verteilnetz der Zukunft an. Für die nächsten drei Jahre erwarten wir daneben noch zusätzlichen Mittelbedarf für die Einführung der Smart Meters in Niederösterreich.

Gleichzeitig investieren wir auch weiter in die erneuerbare Erzeugung: Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir den Windausbau deutlich beschleunigt und gleich fünf Projekte fertiggestellt. Damit sind wir ein Jahr früher als geplant an unserem mittelfristigen Ausbauziel von rund 370 MW angelangt. Die Windkraftkapazität der EVN soll bis Ende 2023 auf rund 500 MW weiter wachsen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Diesem Ziel liegt eine Pipeline von etwa einem Dutzend fertig entwickelter, zum Teil bereits behördlich genehmigter Projekte in Niederösterreich zugrunde. Wir prüfen aktuell aber auch die Realisierbarkeit von großflächigen Photovoltaik-Anlagen in unseren Versorgungsgebieten. Derzeit gehen wir hier konzernweit von einem Potenzial von bis zu 100 MW aus. Das dritte Schwerpunktthema für Investitionen sehen wir – wie bereits erwähnt – im Bereich der Trinkwasserversorgung in Niederösterreich.

In Zahlen gegossen bedeutet all dies, dass unsere Investitionen in den nächsten vier Geschäftsjahren in der Größenordnung von 400 Mio. Euro pro Jahr liegen werden, davon entfallen etwa drei Viertel auf Niederösterreich.

Und welche Neuigkeiten gibt es aus dem internationalen Projektgeschäft?

Franz Mittermayer: Hier gibt es ein spannendes neues Thema, denn wir beschäftigen uns in letzter Zeit vermehrt mit Konzepten und Lösungen für die Trocknung und thermische Verwertung von Klärschlamm – und damit einer Frage mit hohem Zukunftspotenzial. Wir haben dafür mit unserem Know-­how in der Planung, Errichtung und Betriebsführung solcher Anlagen genau die passenden Lösungen parat. Die WTE Wassertechnik arbeitet aktuell bereits an Aufträgen zur Errichtung von Klärschlammverbrennungsanlagen in Deutschland, Litauen und Bahrain.

Zum Schluss noch: Welche Erwartungen können Aktionäre in die EVN setzen?

Stefan Szyszkowitz: Sie können auf Stabilität und Kontinuität bauen. Denn wir positionieren die EVN mit einem klaren strategischen Fokus auf regulierte und stabile Aktivitäten, die dem Unternehmen planbare Geldflüsse und damit seine Grundstabilität sichern. Daher liegt auch unser Investitionsschwerpunkt auf diesen Tätigkeitsgebieten, während wir zusätzliches Wachstum in Geschäftsfeldern mit höherem Ertrags-Risiko-Profil äußerst achtsam verfolgen.

Nachhaltigkeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der unser Unternehmen auch im Hinblick auf den Kapitalmarkt maßgeblich prägt. Denn unsere Strategie ist in hohem Maß auf verantwortungsvolles, nachhaltiges Handeln ausgerichtet. Das macht die EVN Aktie aus unserer Sicht gerade für Investoren interessant, die auf nachhaltige Geldanlagen fokussieren.

Da wir Ratings im soliden A-Bereich anstreben, achten wir auf eine ausgewogene Mittelverwendung zwischen Investitionen und Ausschüttungen an unsere Aktionäre und richten unsere Dividendenpolitik speziell auf Stabilität aus. Für das Geschäftsjahr 2018/19 werden wir der Hauptversammlung eine Basisdividende von 0,47 Euro pro Aktie vorschlagen. Im Interesse der Planbarkeit für unsere Aktionäre streben wir auch für die Zukunft an, diese jährliche Basisdividende zumindest konstant zu halten. Für das abgelaufene Geschäftsjahr wollen wir anlässlich unseres 30­-jährigen Börsejubiläums zusätzlich eine Bonusdividende von 0,03 Euro pro Aktie zur Abstimmung vorlegen. Damit wollen wir unsere Aktionäre an diesem besonderen Jubiläum zusätzlich teilhaben lassen.

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