Vorwort des Vorstands

Bild Vorstand EVN AG

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die nachhaltigen Veränderungen in der europäischen Energiepolitik und -wirtschaft stellen auch die EVN in diesem Jahr vor große Herausforderungen. Die verheerende Katastrophe in Japan hat mehrere europäische Länder, darunter Deutschland, Belgien und die Schweiz, zum Ausstieg aus der Atomkraftnutzung veranlasst. Die Energieerzeugung aus erneuerbarer Energie wird während der nächsten Jahre noch mehr an Bedeutung gewinnen und die diesbezüglichen Kapazitäten im Rekordtempo expandieren lassen. Dieser Wandel in der Energiepolitik bestätigt die strategische Ausrichtung der EVN, die wir bereits seit Jahren verfolgen. Die EVN setzt bei ihrer Stromaufbringung auf einen flexiblen Erzeugungsmix aus Wasser- und Wärmekraft sowie sonstiger erneuerbarer Energie und stellt dabei Aspekte der Nachhaltigkeit und der Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt aller strategischen Entscheidungen. An dieser Strategie werden wir weiterhin festhalten.

Das Ergebnis im Geschäftsjahr 2010/11 wurde durch Einmaleffekte geprägt. Die nachhaltigen strukturellen Änderungen der europäischen Energielandschaft haben Auswirkungen auf die Werthaltigkeit unserer Erzeugungskapazitäten im Kraftwerksbereich. Unter Berücksichtigung hoher Gasbezugskosten aus Langfristverträgen und dem Wegfall der CO2- Gratiszertifikate ab dem Jahr 2013 wurden aus den Werthaltigkeitprüfungen bei den EVN Gaskraftwerken Theiß und Korneuburg Wertminderungen von 38,4 Mio. Euro durchgeführt. Die Wasserkraftwerke gewinnen hingegen als Erzeugungsquellen für Strom an Attraktivität. Beim Wasserkraftwerk Freudenau resultierte aus der Werthaltigkeitsprüfung eine Zuschreibung zu den gehaltenen Bezugsrechten in Höhe von 31,2 Mio. Euro. Darüber hinaus wurden bereits im ersten Halbjahr 2010/11 aufgrund der fortgesetzten nachteiligen Regelungen im Wärmebereich durch den Regulator in Bulgarien der Firmenwert der TEZ Plovdiv in Höhe von 9,2 Mio. Euro sowie Sachanlagen der Wärmeversorgung Plovdiv in Höhe von 1,9 Mio. Euro außerordentlich abgeschrieben. Zusätzlich wurde der Kraftwerkstandort in Plovdiv um 6,6 Mio. Euro abgewertet, da aufgrund der Verzögerung der Marktliberalisierung am Strommarkt nicht mit der ursprünglich geplanten Errichtung eines Gaskraftwerks begonnen wird. Per Saldo belasteten die Werthaltigkeitsprüfungen das Ergebnis des Geschäftsjahres 2010/11 mit insgesamt 29,1 Mio. Euro. In der Vergleichsperiode war eine Wertminderung beim Windpark in Kavarna von 10,7 Mio. enthalten. Des Weiteren wurde das Ergebnis des Geschäftsjahres 2010/11 durch die Verwendung von im Vorjahr gebildeten Rückstellungen aus drohenden Verlusten positiv beeinflusst.

In Summe führten diese Entwicklungen und eine Verbesserung der Ergebnisse im Umweltgeschäft, trotz eines um 0,8 % geringeren Umsatzes in Höhe von 2.729,2 Mio. Euro, zu einem um 16,8 % höheren operativen Ergebnis in Höhe von 218,7 Mio. Euro.

Beim Finanzergebnis musste im Wesentlichen aufgrund geringerer Beteiligungsergebnisse und eines höheren Zinsaufwands ein Rückgang um 50,0 % auf 41,8 Mio. Euro verzeichnet werden. Das Ergebnis der at Equity einbezogenen Unternehmen stieg um 1,3 Mio. Euro auf 62,9 Mio. Euro an, wobei höheren Ergebnisbeiträgen von RAG und BEWAG eine Wertminderung im Zusammenhang mit dem Wasserkraftwerksprojekt Ashta in Albanien in Höhe von 23,1 Mio. Euro gegenüberstand.

Das Konzernergebnis lag mit 189,7 Mio. Euro um 8,4 % unter dem hohen Niveau des Vorjahres. In immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen investierte die EVN im Geschäftsjahr 2010/11 415,7 Mio. Euro, wobei die Schwerpunkte in den Bereichen Erzeugung und Netze lagen.

Angesichts des herausfordernden Umfelds und der beschriebenen Effekte können wir den Abschluss des Geschäftsjahres 2010/11 als positiv beurteilen. Wir sehen darin auch eine Bestätigung unserer Strategie, in deren Fokus eine verstärkte Konsolidierung in den bestehenden Kernmärkten und auf dem Heimmarkt sowie die Realisierung der bereits initiierten Investitionsprojekte stehen. Diese solide Ausrichtung ermöglicht es uns, Ihnen bei der 83. ordentlichen Hauptversammlung am 19. Jänner 2012 eine leicht höhere Dividende von 0,41 Euro je Aktie vorzuschlagen, womit sich die Ausschüttungsquote auf 38,5 % erhöhen wird. Wir wollen damit eine kontinuierliche Dividendenpolitik, aber auch die Finanzierung der bereits initiierten Investitionsprojekte der EVN sicherstellen.

Einen Eckpfeiler der mittel- bzw. langfristigen Unternehmensstrategie bildet unser Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energie am Erzeugungsmix auf 50 % zu steigern. Im Geschäftsjahr 2010/11 wurden wichtige Schritte zur Erreichung dieses Ziels gesetzt. Im Juli 2011 konnten wir einen 13,0 %igen Anteil an den 13 Innkraftwerken der VERBUND-Innkraftwerke GmbH erwerben und damit den Anteil der Wasserkraft ausbauen. Ein weiteres Beispiel liefert das Kleinwasserkraftwerk Schütt, das im Juli 2011 nach einer umfangreichen Revitalisierung eröffnet wurde und seither die Stromversorgung von 10.000 Haushalten sicherstellt. Seit Juli 2011 speist der Windpark Markgrafneusiedl mit einer Gesamtkapazität von 18 MW Strom für rund 12.000 Haushalte ins Netz ein. In Tattendorf wird im November 2011 ein Windpark mit acht Windrädern mit einer Gesamtkapazität von 16 MW fertiggestellt. In diese beiden Projekte werden in Summe 57,0 Mio. Euro investiert. Die EVN verfügt mit ihren nunmehr neun Windparks über eine Gesamtkapazität von 138 MW, versorgt damit bis zu 80.000 Haushalte und zählt so zu den größten Windkraft-Stromerzeugern in Österreich.

Gleich mehrere Schritte zum Ausbau der erneuerbaren Energie konnten wir im Berichtsjahr auch in Bulgarien setzen. Im Juli 2011 wurde die größte Photovoltaikanlage der EVN in Trastikovo in Betrieb genommen. Im selben Monat haben wir einen 70 %igen Anteil an der Projektgesellschaft „Gorna Arda“ erworben, über die gemeinsam mit dem staatlichen Stromproduzenten NEK ein Wasserkraftwerksprojekt verfolgt wird. Eine hochmoderne Cogeneration-Anlage in Plovdiv wurde Anfang September nach einjähriger Bauzeit fertiggestellt und befindet sich in Probebetrieb. Die Anlage verfügt über 50 MW Stromleistung und 54 MW Wärmeleistung; das Investitionsvolumen belief sich auf rund 50 Mio. Euro.

Über Verzögerungen ist hingegen bei der Realisierung des Steinkohlekraftwerks Duisburg-Walsum, Deutschland, zu berichten. Aufgrund neuerlich aufgetretener Schäden am Kraftwerksdampferzeuger wird nunmehr ein Materialtausch als technisch sinnvollste Lösung angesehen, weshalb die kommerzielle Inbetriebnahme erst im Sommer 2013 erwartet werden kann.

Im Rahmen der zwischen der mazedonischen Regierung und der EVN im Jahr 2010 abgestimmten Road Map konnte im Berichtsjahr ein seit 2008 anhängiges Gerichtsverfahren zwischen der staatlichen ELEM und der EVN Macedonia AD 4 EVN Ganzheitsbericht 2010/11 durch einen Vergleich beendet werden. Zudem hat das mazedonische Parlament im Februar 2011 ein neues Energiegesetz verabschiedet, das die Etablierung eines liberalisierten Strommarkts unterstützen wird. Parallel dazu haben sich in Südosteuropa die regulatorischen Rahmenbedingungen im ersten Halbjahr 2011 leicht verbessert. Nach einer positiven Tarifänderung für Strom in Mazedonien per 1. März 2011 hat der Regulator in Bulgarien per 1. April 2011 eine Preiserhöhung für Gas und Wärme sowie per 1. Juli 2011 eine leichte Anhebung der Endkundenpreise für Strom genehmigt.

In Niederösterreich wurde im Berichtsjahr die 120 km lange Erdgastransportleitung „Südschiene“ in Betrieb genommen, wofür in Summe 114,0 Mio. Euro investiert wurden. Die Bauarbeiten zur Errichtung der 150 km langen „Westschiene“ wurden gestartet. Eine Gesamtinvestition von rund 150,0 Mio. Euro wurde für dieses Projekt veranschlagt. In den Vorjahren wurde der EVN Gasversorgungsaufträge für drei Gespanschaften an der dalmatinischen Küste in Kroatien erteilt. In einem ersten Schritt erfolgte im April 2011 nun der Spatenstich für die Errichtung der 25 km langen Hoch- und Mitteldruckleitungen für die Gasversorgung in Zadar.

Über positive Entwicklungen können wir auch aus dem Segment Umwelt der EVN berichten, das per 30. September 2011 einen Auftragswert von 1,3 Mrd. Euro ausweist. Das Großprojekt zur Errichtung der zweiten Abfallverwertungsanlage in Moskau mit einer Kapazität von 700.000 Tonnen pro Jahr befindet sich in der Genehmigungsphase. Im Juli 2011 wurde eine Biogas-Aufbereitungsanlage am Standort der Kläranlage Wiener Neustadt eröffnet. Mit dem Zuschlag zur Erweiterung und Erneuerung zweier Kläranlagen in Rumänien ist die EVN nun in 20 Ländern Europas aktiv.

Die EVN ist auch für die Herausforderungen der nächsten Jahre gut gerüstet. Mit der erfolgreichen Kapitalerhöhung im Herbst 2010 wurden Finanzmittel in der Höhe von 175,5 Mio. Euro lukriert, die die Bilanzstruktur stärken und für Investitionen in erneuerbare Energieprojekte verwendet wurden. Mit der erfolgreichen Anleihenemission im Oktober 2011, das Gesamtvolumen belief sich auf 300,0 Mio. Euro, und einer ausgewogenen fristenkongruenten Bilanz- und Finanzierungspolitik, stellen wir in Summe sicher, dass die EVN ihre Investitionsvorhaben plangemäß und ohne Gefährdung der stabilen Liquiditätssituation realisieren wird.

Trotz des schwierigen Marktumfelds haben die Rating-Agenturen (Standard & Poor‘s und Moody‘s) das EVN „A“ Rating im Berichtsjahr bestätigt: Positiv bewertet wurden die Verbesserung der operativen und finanziellen Performance, die positive Cash-Flow-Entwicklung und die starke Liquidität. Die Fokussierung auf das Kerngeschäft und stabile Ergebnisbeiträge aus dem Heimmarkt werden neben dem ausgezeichneten Rating des Mehrheitseigentümers Land Niederösterreich ebenfalls als sehr positiv hervorgehoben.

Im Geschäftsjahr 2011/12 rechnen wir mit keiner nachhaltigen Verbesserung des Markt- und Branchenumfelds; insbesondere die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden herausfordernd bleiben. Wir sind dennoch zuversichtlich, dass wir Ihnen in einem Jahr über eine weitere stabile Entwicklung der EVN berichten können. Wir bedanken uns für das Vertrauen, das Sie uns als Aktionärinnen und Aktionäre der EVN entgegenbringen, und laden Sie ein, die EVN auch auf ihrem zukünftigen, nachhaltigen Kurs zu begleiten. Unser Dank gilt auch unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in einem herausfordernden Jahr eine ausgezeichnete Leistung erbracht haben.

Unterschrift Layr Unterschrift Szyszkowitz Unterschrift Pöttschacher
Dipl.-Ing. Dr. Peter Layr
Sprecher des Vorstands seit 20. Jänner 2011
Vorstandsmitglied seit Oktober 1999
Mag. Stefan Szyszkowitz, MBA
Vorstandsmitglied seit 20. Jänner 2011
Dipl.-Ing. Herbert Pöttschacher
Vorstandsmitglied seit Juli 1995

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